Faires Banking - was ist das?

Aktualisiert: 16. Mai

Vielleicht achtest du beim Einkaufen auf Bio, sortierst deinen Müll oder nimmst eher mal das Rad, als mit dem Auto zu fahren. Aber wusstest du, dass deine Bank mit dem Geld auf deinem Konto vielleicht auch so umweltfreundlich agieren kann, wie du im Alltag? Das Geld liegt nämlich nicht in irgendeinem Tresor, sondern wird von deiner Bank in verschiedene Projekte investiert, um so Gewinne zu erwirtschaften. Die Spannbreite ist dabei sehr groß: von der Finanzierung von Ölkonzernen und Waffenherstellern bis hin zu nachhaltigen und sozialen Bau- und Wohnprojekten. Und obwohl in Deutschland zunehmend mehr Geld in nachhaltige Projekte investiert wird, gibt es relativ wenige Menschen, die es interessiert, wofür ihr Geld eingesetzt wird.


Eigentlich ist das kein Wunder, denn Banking und Finanzen sind für die meisten von uns wirklich kein “Kaffee und Kuchen”-Thema, doch wenn du mit EC-Karte zahlst, Bargeld abhebst oder im Internet bestellen willst, kommst du um das Thema eigentlich doch nicht herum. Klar, du weißt, wie Online-Banking funktioniert und wie man mit Karte bezahlt – aber was genau deine Bank sonst mit deinem Geld anstellt, wissen nicht viele. Das zu ändern und für mehr Transparenz zu sorgen, hat sich Thomas Küchenmeister auf die Fahne geschrieben: Er ist geschäftsführender Vorstand des „Fair Finance Guide“. Gemeinsam mit sechs Angestellten schaut Thomas den Banken in Deutschland genau auf die Finger. Dabei prüft und bewertet er mit seinem Team über 280 soziale und ökologische Einzelkriterien der Bankgeschäfte. Wenn sein Team ein Geldinstitut untersucht, stellt es sich dabei immer wieder folgende Fragen: Nach welchen ethischen Konventionen arbeitet die Bank? An welche Art von Unternehmen werden Kredite vergeben? Wie offen und transparent schlüsselt sie ihre Investments auf?


Da Banken riesige Unternehmen sind, ist es sehr aufwendig, sie auf Herz und Nieren zu prüfen. Deshalb können Thomas und sein Team jährlich nur zwei bis drei neue Banken auf ihre „Fairness“ hin beurteilen.


Ihre Informationen beziehen Thomas und sein Team dabei lediglich aus öffentlich zugänglichen Dokumenten. „Eigentlich könntest du einfach zu deiner Bank gehen und direkt fragen, ob es einen Nachhaltigkeitsbericht gibt“, erklärt Thomas. „Du hast das Recht zu fragen, wie sichergestellt wird, dass mit deinem Geld nicht gegen soziale und ökologische Standards verstoßen wird. Doch die meisten Bankangestellten bekommen dann vermutlich Schnappatmung und können das gar nicht so einfach beantworten. Das liegt vor allem daran, dass die Banken nicht verpflichtet sind, dich darauf aufmerksam zu machen, dass ihre finanziellen Machenschaften in bestimmten Konflikten stehen“. Ein weiteres Problem: Der Begriff „nachhaltig“ ist in Deutschland nicht geschützt.


Jede Bank kann also selbst entscheiden, ab wann etwas als „nachhaltig“ gilt.


Die Nachfrage an Bewertungen durch den „Fair Finance Guide“ ist mittlerweile so groß, dass es die Organisation in etlichen europäischen Ländern gibt. Finanziert wird das Projekt unter anderem von der schwedischen Entwicklungsbehörde „SIDA“ und der Stiftung Umwelt und Entwicklung in NRW. „Ansonsten mischen sich da keine Geldgeber*innen ein, damit wir komplett unabhängig und transparent bleiben“, erklärt Thomas. „Außerdem empfehlen wir niemals irgendeine Bank, sondern geben lediglich die größtmögliche Transparenz über deren Machenschaften.”


“Im Endeffekt musst du ja selbst entscheiden, bei welcher Bank du dich am besten aufgehoben fühlst“.


Dass Transparenz im Bankwesen immer wichtiger wird, merken auch die Geldinstitute. Es gibt bereits einige Banken, die einen besonderen Fokus darauf gelegt haben, das Geld ihrer Kund*innen nachhaltig anzulegen - und dadurch auch ein entsprechend gutes Ranking im Fair Finance Guide zu erlangen. Sie investieren dann beispielsweise in Kredite für nachhaltige Energien oder Projekte gegen die Rodung des Regenwaldes. Finanzielle Unterstützung für Ölkonzerne oder Waffenhersteller vergeben diese Banken nicht.


Ich habe dazu mit zwei Banken gesprochen: mit „Tomorrow“ und der Hamburger Sparkasse. „Wir haben das Thema nachhaltiges Banking nicht erfunden – aber wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, einer breiten Masse faires Banking zugänglich zu machen“, erzählt Lilli Staack in ihrem Büro im Hamburger Karoviertel. Sie arbeitet als Pressesprecherin für „Tomorrow“, eine Bank, die nur auf dem Smartphone verfügbar ist. Im Büro des Startups spricht man sich mit Vornamen an und trägt Beanie und Sneakers zur Arbeit.


„Wir möchten uns von den großen Geldinstituten unterscheiden“, stellt Lilli klar. „Bei uns findet man keine Bankangestellten, schließlich haben wir auch keine Filialen.“ Das Konzept von „Tomorrow“: Nachhaltiges, kostenloses Banking, direkt vom Smartphone aus. „Für den alltäglichen Zahlungsverkehr reicht eine Smartphone-Bank völlig aus“, meint Lilli. Wer allerdings später mal einen Kredit aufnehmen möchte oder regelmäßig zum Bankschalter geht, um Bargeld einzuzahlen, ist hier eindeutig falsch. Denn streng genommen ist „Tomorrow“ gar keine Bank, sondern nutzt lediglich die Infrastruktur der „SolarisBank“ in Berlin und zahlt dafür Gebühren. Die „Solaris Bank“ wiederum wirtschaftet selbst nicht nachhaltig oder fair – das müssen Kund*innen hinnehmen, auch wenn es der Idee der Tomorrowbank widerspricht. Und: Noch ist „Tomorrow“ zu klein, um Kredite an Privatpersonen zu vergeben, außerdem ist das Startup wirtschaftlich noch lange nicht rentabel, sondern abhängig von externen Investor*innen.


Hier punkten ganz klar größere Geldinstitute: Denn dort können nicht nur Privatpersonen wie du und ich, sondern auch Firmen Kredite bekommen und ihr Geld anlegen – und auf deren Konten liegt in der Regel wesentlich mehr Geld, das für nachhaltige Zwecke eingesetzt werden kann. Bislang wird dieses Geld bei vielen großen Banken allerdings eher seltener in nachhaltige Projekte investiert: „Bei Geldanlagen müssen soziale, ökologische und ökonomische Aspekte immer wieder neu in Einklang gebracht werden“, schreibt die Hamburger Sparkasse. So kann es sein, dass Geld auch in Projekte investiert wird, die mehr Gewinn bringen, aber nicht ökologisch angelegt sind. Die Haspa sieht ebenfalls den Trend hin zu nachhaltigem Banking und baut deshalb ihr Angebot an nachhaltigen Fonds für die Geldanlage aus: „Voraussetzung künftig auch nachhaltige Sparprodukte anzubieten, ist jedoch ein Ende der extrem expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank mit ihren Null- und Minuszinsen“, so die Hamburger Sparkasse. Es ist also zu erwarten, dass die meisten Banken, ob groß oder klein und jung oder alt, eher dann in zum Beispiel nachhaltige Projekte investieren, wenn es sich natürlich auch für sie und ihre Kund*innen lohnt.

Aber: Alle Sparkassen in Deutschland sind darauf ausgelegt, dass sie unter anderem Kredite an Unternehmen und Projekte im direkten Umkreis der Bank vergeben – so kann es also sein, dass durch das Geld auf deinem Konto auch neue Wohnungen direkt hier in Hamburg entstehen.


Du siehst, es gibt verschiedene Ansätze zum fairen Banking. Ob das Geld auf deinem Konto bei einer schon länger existierenden Bank oder einem Startup ist, sagt erstmal noch nichts über die Geldanlagen der Institution. Dafür muss man im Internet suchen, in den Fair Finance Guide schauen oder einfach mal direkt bei der Bank nachfragen. Im Anschluss kann man sich dann für das für sich passende Geschäftsmodell entscheiden. Der Spielball liegt aber auch bei der Politik; „In puncto Ethik und Nachhaltigkeit gibt es von den Gesetzgeber*innen viel zu wenig Richtlinien, denn noch ist der Einfluss der Lobbygruppen einfach zu groß“, stellt Thomas vom „Fair Finance Guide“ fest. „Wir drängen mit unseren Ratings die Banken, selbst besser zu werden – und wir machen das so lange, bis sich etwas ändert.“



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Wie verdienen Banken Geld?

Deine Bank verdient mit dir Geld – auch, wenn du für dein Konto gar nichts zahlst. Denn das Geld, das auf deinem Konto liegt, kann deine Bank an andere Menschen oder Unternehmen verleihen. Nimmt ein Unternehmen oder eine Privatperson also einen Kredit bei deiner Bank auf, stammt das Geld für diesen Kredit unter anderem auch von deinem Konto. Die Gebühren (=Zinsen) für diesen Kredit sind eine der wichtigsten Einnahmequellen der Banken. Wenn deine Bank also ihr Geld damit verdient, Kredite an Waffenhersteller oder Ölkonzerne zu vergeben, bekommen diese Unternehmen auch einen Teil deines Geldes geliehen.


Wirecard-Skandal

Wirtschaftsprüfer*innen stellten fest, dass 1,9 Milliarden Euro, die 2019 auf Konten des deutschen Finanzdienstleisters Wirecard sein sollten, gar nicht existierten. Die Firma ging durch den Betrug pleite. Mehrere Chefs wurden festgenommen und Politiker*innen gerieten in Erklärungsnot darüber, warum dieses große Unternehmen nicht eingehender geprüft wurde. Die Verfahren laufen noch. Mehr Informationen zum Wirecard-Skandal findest du z.B. unter: www.bpb.de


Wie sicher ist unser Geld auf dem Konto?

Der Bankenmarkt ist in Deutschland stark reguliert. In Deutschland ansässige Banken müssen große Summen an Einlagen für ihre Kund*innen bereithalten und werden streng kontrolliert. Außerdem ist jedes deutsche Konto bis zu 100.000€ abgesichert – selbst, wenn deine Bank pleite gehen sollte. Durch die Finanzkrise 2009 und Ereignisse wie etwa den „Wirecard“-Skandal ist jedoch das Vertrauen der Deutschen in unsere Banken gesunken.

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