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Editorial - #5

Neulich las ich in einer Anzeige: „Moingiorno“. Bis heute weiß ich nicht, wie ich dazu stehen soll. Ich frage mich, ob das wie Blasphemie gegenüber hanseatischem Wortschatz ist oder doch eigentlich ganz nett. Dass ich mir heute gefühlt mehr Fragen stelle als noch vor zehn Jahren, trägt sich übrigens durch alle Dimensionen meines Alltags. Ich denke und zweifle über Gestern wie Heute und erst recht über Morgen. Sei es so etwas wie „Moingiorno“ oder die richtige Auswahl an Texten für diese Ausgabe, seien es Demonstrationen in der Stadt, Bürokratie in der Republik, europäische Unionspolitik oder die weltpolitischen Lage. Wenn ich mich mit Freund:innen unterhalte, dann geht es ihnen oft ganz ähnlich: Es scheint ein Symptom unseres Jahrzehnts zu sein, dass wir uns heute mehr mit Fragen als mit Antworten beschäftigen. Sich mit Fragen durch die Welt zu denken, ist erst einmal etwas sehr Wertvolles. Es hilft dabei, unsere Umgebung auf ihre Ordnung hin infrage zu stellen, sie in verschiedene Aspekte zu zerlegen und zu einer neuen (besseren) Version zusammenzufügen. Dieser Prozess ist aber auch anstrengend. Jedenfalls geht es mir so. Je mehr ich mit Fragen um mich werfe, desto unruhiger werde ich. Und auch hier scheine ich nicht alleine zu sein. Diverse Studien verweisen auf ein ständiges Tief an negativen Gedanken undGefühlszuständen in der Gen Z. So zeigt eine Studie der TK aus 2023, dass 68 % der Befragten über Erschöpfung durch Stress klagen, 59 % über Kopfschmerzen, 53 % über Konzentrationsstörungen und 43 % über Schlafprobleme.1 Um mit diesen Gefühlen zurechtzukommen, ohne dabei seine Fähigkeit, Fragen über unsere Welt zu stellen, zu verlieren, gibt es viele Wege. Besonders oft werden folgende Tipps gegeben: Herausforderungen/Krisen akzeptieren und sie objektiv betrachten. Die Situation in einzelne Bausteine auseinanderdividieren und einen Baustein nach dem anderen mit Optimismus und Selbstwirksamkeit zum Besseren wenden. Kurzum: Allen Mut der Krisensituation zum Trotz zusammennehmen und Herausforderungen vom Kleinen her angehen. Chancen in den Krisen sehen. Und schaue ich mich noch ein letztes Mal in meinem Umfeld um, so sehe ich, dass eben jene Personen, die nicht trotz, sondern gerade wegen der ganzen Krisen um sie herum aktiv werden, ein hohes Maß an Resilienz zeigen. Sie misstrauen Pessimismus, zerlegen teils große Krisen in kleine Bausteine und packen einen nach dem anderen vom Alltag aus an. Sie brechen mit scheinbarer Hilflosigkeit und brechen auf in eine bessere Welt. Es sind diese Menschen, die uns mit ihrer Aufbruchsstimmung für diese Ausgabe inspiriert haben, sodass die Frühlingsausgabe von GENZ den Fokus auf „Aufbruch“ gesetzt hat. So haben wir als Redaktion das gemacht, was wir am besten können: viele Fragen über ganz unterschiedliche Dimensionen unseres Lebens stellen. Fragen, die uns unruhig werden lassen und dann in Aufbruchsstimmung versetzen. Fragen wie: Warum brechen so viele junge Menschen mit der Kirche? Wie brechen wir auf in soziales und nachhaltiges Wirtschaften? In ein modernes Gesundheitssystem? Wie finden wir Mut, wenn wir unzufrieden mit uns sind? Wie brechen wir mit Stereotypen und Hass? Müssen wir mit unserem Nationalstolz brechen? Und: Wie kann ich auch mein Umfeld in Aufbruchsstimmung versetzen? Ich hoffe, dass auch diese Ausgabe wieder deine politische Identität herausfordert und dich dazu inspiriert, vom Alltag aus Krisen anzupacken. Schlechtes zu kritisieren, ist immer einfach. Die Welt besser zu machen auch. Aber es kostet halt etwas Mut.


Moingiorno und los geht’s!

Cornelius


Chefredakteur bei GENZ


 

Quelle: Burkhardt, M., 2023: Generation Z: Zu fordernd und zu fragil?, online, zdf.de [02.02.2024].

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