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Frei und vereint

Du betrittst einen Ort,

den es zuvor für dich nicht gegeben hat.

Du wusstest nicht von seiner Existenz,

nicht von seiner Relevanz,

nicht von seiner Bedeutsamkeit.


Du hast das Gefühl,

als würde er dir vorenthalten worden sein,

als würdest du ihn dir vorenthalten haben.

Warum?

Darauf hast du keine Antwort.


Der Ort macht etwas mit dir,

im guten Sinne,

er verändert dich,

auf eine gute Art.


An diesem Ort bewegen sich Menschen,

die dir zuhören,

dich verstehen

und dich voll und ganz sehen.

Sie treten dir mit Respekt gegenüber,

und sprechen dir Mut zu,

sie haben Verständnis für dich,

sind nicht voreingenommen

und geben dir eine Chance.


Eine Chance dich zu zeigen,

eine Chance dich zu öffnen,

ohne Druck,

ohne Muss,

dich in irgendeiner Art zu beweisen.


Sie sprechen dir

deine Trauer,

deine Angst,

deine Sorgen,

deine Wut,

deine Schmerzen,

deine Verzweiflung nicht ab,

sondern glauben dir.


Sie können dein Leid

nachvollziehen,

teilen,

und wahrnehmen.


Ihr lernt

voneinander,

miteinander,

über einander,

aus Fehlern

und aus Erfolgen.


Du wirst so viel lernen,

dich besser kennenlernen.

Wirst dich klar benennen können und stolz sein.


Du bist beschenkt mit Begriffen,

die deine Emotionen besser beschreiben

und Missstände besser benennen können.


Sie nehmen dir

dein Gefühl von

Einsamkeit und Vereinzelung

und ersetzten es

mit dem Gefühl von Mehrheit.


Du träumst frei,

du glaubst frei,

du lebst frei,

und sie tun es auch.


Sie kommen dir mit offenen Armen entgegen,

mit nickenden Köpfen,

interessierten Blicken

und lauschenden Ohren.


Dir wird ermöglicht,

die Mauern in deinem Kopf abzubauen,

du darfst ehrlich mit dir sein,

du kannst ehrlich mit ihnen sein

und jeden deiner Gedanken teilen.


Du kannst reden und reden,

immer weiter und weiter,

keine:r der dich unterbricht,

oder etwas gegen deine Denkweisen unternimmt.


Du kannst gehen und gehen,

im weiter und weiter,

noch einen Schritt und noch einen Schritt,

keine:r der etwas gegen dein Verlangen nach Freiheit unternimmt.


Du darfst in einem Meer schwimmen.

Voller Mut, Kraft, Zusammenhalt,

Verständnis, Wissen, Reflexion

und Macht.


Eine Strömung,

die dich heilt,

empowert und stärkt.

Wellen die dich hochheben lassen,

Dich hochleben lassen.


Du bist von einem unterstützenden Meeresrauschen umgeben.

Stimmen, die hinter dir stehen.

Menschen, die eine Einheit bilden.




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Bilal Gaidenko engagiert sich auch bei MOSAIQ e. V. Der Verein arbeitet rassismus- und machtkritisch und bietet marginalisierten Stimmen eine Plattform, sich in gesellschaftliche Diskurse einzumischen, diese zu hinterfragen und neu zu bestimmen. Im Fokus ihrer Arbeit stehen Themen wie der antimuslimische Rassismus und antischwarze Rassismus sowie dessen Zusammenwirken mit anderen Diskriminierungsformen und Ausgrenzungspraxen. Durch verschiedene Angebote werden Orte geschaffen, in denen Menschen Fragen aufwerfen, Alternativen denken, Neues entwickeln und sich künstlerisch ausdrücken können. Mehr dazu und zu ihrem jährlichen Kick-off für Interessierte findet ihr auf Instagram (@mosaiq_hamburg) und auf mosaiq-ev.de.


Illustration: Lou Szymorek

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